11. Mai 2018
Online-Sprechstunden: Ein Vorteil für den ländlichen Raum
 
Der Ärztetag stimmte in dieser Woche für die Zulassung von ausschließlichen Fernbehandlungen von Patienten via Internet, Video-Sprechstunde oder Telefon. Bislang war eine Online-Behandlung nur nach einem persönlichen Erstkontakt erlaubt. Das Angebot wird nun ausgeweitet. Künftig sind in Einzelfällen auch Online-Behandlungen gestattet, wenn zuvor kein direkter persönlicher, direkter Kontakt zwischen Arzt und Patienten stattgefunden hat. Insbesondere ländliche Gebiete mit geringer Ärztezahl und weiten Anfahrtswegen für Patienten können von dieser Neuerung profitieren. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte einen Runden Tisch aus Ärztefunktionären und Pflegeexperten an, der die praktische Umsetzung von Online-Sprechstunden erarbeiten soll.
 
 
Meine Meinung
 
Ich begrüße den vom Ärztetag beschlossenen Ausbau der Online-Sprechstunden. Die Entscheidung ist sinnvolle, da sie insbesondere den ländlichen Gebieten zugutekommen kann. Der digitale Wandel kann sich positiv auf unsere Gesundheitsversorgung auswirken und bietet Potenzial. Demografischer Wandel, das Problem des Ärztemangels in ländlichen Regionen und weite Fahrtstrecken zum nächsten (Fach)Arzt stellen eine enorme Herausforderung für unsere Gesundheitsversorgung dar.
 
Wenn Patienten die Möglichkeit haben, Gespräche mit dem Arzt über das Internet zu führen, kann das zu einer schnelleren Kontaktaufnahme beitragen sowie Zeit und lange Anfahrtstrecken sparen. Insbesondere nicht-mobile Patienten können so noch besser betreut werden. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen nur wenige Fachärzte vorhanden, kann sich dies positiv auf die Versorgung auswirken.
 
Die Nutzung von ausschließlichen Online-Behandlungen als zusätzliches Behandlungsinstrument muss jedoch mit Augenmaß geschehen. Eine Auslagerung von Online-Behandlungen an medizinische Callcenter oder eine Absenkung der medizinischen Standards wird es nicht geben. Ich befürworte, dass Online-Behandlungen und Tele-Medizin ausschließlich in den existierenden Strukturen betrieben werden sollen, also in der Verantwortung der niedergelassenen Ärzte. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch weiterhin daran arbeiten müssen, Ärzte in die ländlichen Gebiete zu holen.
 
Reine Online-Behandlungen sollten jedoch nur im Einzelfall gestattet sein, sofern dies aus ärztlicher Sicht vertretbar ist und die erforderliche Sorgfaltspflicht gewahrt bleibt. Der Patient muss umfassend vom behandelnden Arzt über das Verfahren aufgeklärt werden. Das Online-Angebot sollte daher auch weiterhin nur eine Ergänzung im Behandlungsangebot darstellen. Ich bin der Auffassung, dass der direkte Kontakt zwischen Patienten und Arzt unersetzlich für das Vertrauens- und Behandlungsverhältnis ist. Im persönlichen Gespräch sollen Patienten die Möglichkeit haben mit ihrem Arzt zu besprechen, ob und welche Gespräche anhand von Online-Sprechstunden durchgeführt werden können. Dafür braucht es klare Regelungen. Dann können sowohl Patienten als auch Ärzte von diesem System profitieren.
 
 
 
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
 
Ihr
 

Johann Wadephul

 
 
 
 
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