23. Juni 2017
Helmut Kohl - ein Glücksfall der deutschen und europäischen Geschichte
 
„Ich wünschte mir, wir würden zum Geist der Kooperation zurückkehren, wie er einst zwischen Francois Mitterrand und Helmut Kohl herrschte.“ Mit diesen Worten reiste der neue französische Staatspräsident Emmanuel Macron in dieser Woche zum EU-Gipfel nach Brüssel. Er belegt damit, warum Bundestagspräsident Norbert Lammert in einer Gedenkstunde des Bundestages den am letzten Freitag verstorbenen langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl als „Glücksfall der deutschen und europäischen Geschichte“ würdigte. Standfestigkeit habe er bewiesen, als Hunderttausende Menschen in Bonn gegen den von Kohl mitverantworteten NATO-Doppelbeschluss erbitterten Widerstand leisteten. Als in Berlin die Mauer fiel, habe er mit besonnener und zielgerichteter Diplomatie auf die deutsche Wiedervereinigung hingearbeitet. Dabei ging er auch Risiken ein, denn über sein kurz darauf vorgetragenes Zehn-Punkte-Programm waren nur wenige informiert. Dennoch war Helmut Kohl kein Mann der Alleingänge. Der Bundestagspräsident betonte die Weitsicht Helmut Kohls, das große Ziel der nationalen Einheit mit der Einigung Europas zu verbinden.
 
Helmut Kohl habe zudem ein phänomenales Gedächtnis gehabt. Die CDU verstand er als seine Familie. Enge persönliche und freundschaftliche Beziehungen zu den wichtigsten Staatschefs der Welt waren charakteristisch für ihn. Beispielhaft dafür war seine Freundschaft mit Frankreichs sozialistischem Präsidenten Francois Mitterrand. Unvergessen, so Norbert Lammert, sei der Händedruck zwischen beiden über den Gräben des Soldatenfriedhofs von Verdun 1984. Helmut Kohl wird am Samstag nächster Woche bei einem Europäischen Trauerakt im Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg gewürdigt.
 
Meine Meinung
 
Als junger Politiker habe ich Helmut Kohl kennenlernen dürfen. Sein phänomenales Gedächtnis und seine Fähigkeit, Politik über das persönliche zu gestalten, kann ich dabei bestätigen. Ich war beeindruckt, dass Helmut Kohl sich als Bundeskanzler die Zeit nahm, die Landesvorsitzenden der Jungen Union - und damit auch mich - in den Kanzlerbungalow einzuladen und einen ganzen Abend mit uns zu sprechen. Als Generalsekretär der CDU Schleswig-Holstein machte ich mit Helmut Kohl Wahlkampf. Sein Wissen um die Arbeit oder auch die persönlicher Situation mancher Lokalpolitiker war nicht zu übertreffen. Helmut Kohl pflegte das Persönliche nicht nur zu den Großen der Welt, sondern auch mit vielen CDU-Kreisvorsitzenden oder Bürgermeistern. Und zwar deutschlandweit.
 
Am meisten aber beeindruckt mich seine Weitsicht. „Europa ist eine Frage von Krieg und Frieden!“ betonte Helmut Kohl immer wieder. Denn zu den Schattenseiten im Leben des Helmut Kohl gehörte der frühe Tod seines älteren Bruders als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Mit Leidenschaft erzählte er davon, wie er als Jugendlicher die Grenzzäune zwischen Deutschland und Frankreich herausriss. Seit die Krisen um Europa herum zunehmen und die EU auch selbst einige Krisen bewältigen musste, verstehe ich die Vision von Helmut Kohl von einem vereinigten Europa besser denn je. Für unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt Helmut Kohl mit dieser Vision ein Vorbild. Für mich bleibt er es auch. Zu gern hätte ich gewusst, was Helmut Kohl zu der ein oder anderen Herausforderung der Gegenwart gesagt hätte: zu Donald Trump, zum Brexit oder zu Syrien. Leider war er zu krank, um diese Geschehen noch aktiv kommentieren zu können. An seiner Vision vom vereinten Europa aber hätte er festgehalten. Ich verneige mich vor Helmut Kohl und einem großen politischen Leben.
 
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
 
Ihr

Johann Wadephul

 
 
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